2-Tages-Trekking – Vulkan El Hoyo

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Schon bevor wir nach Leòn gekommen waren hatte Tobi sich über die Vulkane in der näheren Umgebung informiert. Besonders der Telica hatte es ihm angetan – nur leider ist dieser seit einiger Zeit sehr aktiv & es werden aus Sicherheitsgründen keine 2-Tages-Wanderungen mehr angeboten. Im Büro von Quetzaltrekkers bot man uns allerdings eine 2-Tages-Wanderung auf den El Hoyo an. Aber darüber hatten wir euch ja schon im letzten Post berichtet.

Unsere beiden großen Rücksäcke waren also leer, bzw. nur noch „das Nötigste“ (1 Buff-Tuch, 1 T-Shirt, 1 Fleecepulli, 1 lange Hose, 1 Bikini/Badehose, 1 Handtuch, Sonnencreme, Moskitoschutz, Stirnlampe & 1 Packung Kosmetiktücher) drin. Die Aufregung stieg bei uns beiden. Wir waren zwar schon ein paar Mal zusammen wandern, aber eben noch nie über mehrere Tage & noch nie mit schwerem Gepäck. Aber wir waren uns ganz sicher, dass wir es gemeinsam schaffen können. Nach einer unruhigen Nacht klingelte der Wecker um 06:00 Uhr, jippie! Wir genossen unsere letzte (kalte) Dusche, schnappten uns unsere Backpacks & gingen zum Quetzaltrekkers Büro. Hier waren schon all unsere „Mitwanderer“ versammelt, ingesamt waren wir 13 + 3 Guides (Kathi, Christian & Micha).

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Als Erstes sollte sich jeder ein Paket aussuchen. Die Pakete bestanden immer aus 8 Litern Wasser, einem Schlafsack, einer Isomatte und dann konnte man auswählen zwischen Zelt oder Essens-Ration. Tobi entschied sich für ein Zelt & ich bekam eine Box mit Bananen und eine Tüte mit Chips-Tüten. Da wir spät dran waren hatten wir natürlich nicht mehr die beste Auswahl. 😉 Die Bananen-Box war super sperrig & mein Rucksack war bis ganz oben voll nachdem ich alles eingepackt hatte. Genauso ging es auch Tobi, denn so ein Zelt füllt schnell den ganzen Backpack … Die Isomatten schnallten wir außen dran. Als ich der Rucksack hoch hob wurde mir erst das Ausmaß bewusst, halleluja. Auf was hatten wir uns da nur eingelassen? 😀

Zur Stärkung gab es um 07:30 Uhr ein Frühstück, dass leider gar nicht mal so toll war. Tee, Ananas & Bratkartoffeln … Ja, okay, nicht mein persönlicher Favorit wenn ich die Wahl hab, aber wir hatten ja keine Wahl. Während des Frühstücks konnten wir uns schon ein bisschen mit den Anderen austauschen & wir hatten wirklich eine sehr nette Gruppe, bunt gemischt, von jung bis alt.

Nach dem Frühstück ging es los. Mit dem Jeep fuhren wir Richtung Cerro Negro, wo „Vulcano Boarding“ auf dem Plan stand. Diese Aktivität gibt es nur in Nicaragua, nirgendwo sonst auf der Welt. Unsere schweren Rücksäcke konnten wir bei der Ranger Station stehen lassen & tauschten sie gegen Säcke (in denen Anzüge für das Boarden drin waren) und das Board schnallte man sich quasi auf den Rücken. Lustig sah es allemal aus. 😉

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Der Aufstieg sollte ca. 45 Minuten dauern, in der prallen Hitze und mit ordentlich Wind. Während des Gehens wurde ich immer wieder gegen den Vulkan gedrückt, was nicht besonders angenehm war & als wir dann den Krater entlang gingen wurde es noch schlimmer. Durch die breite Angriffsfläche (des Boards) musste man andauernd versuchen die Balance auszugleichen. Und der Weg entlang des Kraters war nicht besonders breit & es ging natürlich auch ein paar Meter nach unten links und rechts … Irgendwann kam dann eine Böe bei der ich dann wirklich Panik bekam, ich hockte mich auf den  warmen Vulkan-Boden und wollte mich keinen Zentimeter mehr bewegen. Tobi bot mir an mein Board für den Rest des Weges zu nehmen, aber bei mir war es an dem Punkt einfach vorbei. Die Höhe in Verbindung mit diesem Sturm waren einfach zu viel, zu unsicher. Tobi wollte eigentlich nicht ohne mich weitergehen, aber ich redete ihm dann gut zu & wollte gern sehen wie er runter düst, für uns beide. 🙂 Kathi war so lieb & ging mit mir den ganzen Weg zurück, was auch ein Erlebnis war – ein schönes. Denn die Aussicht war grandios und ich bemerkte auf dem Rückweg erst einmal wie steil der Aufstieg gewesen war. Puh! 😉 Unten warteten wir dann bis unsere Gruppe herunter fuhr & wir warteten lang, bestimmt eine halbe Stunde. Diese ganze Zeit mussten die anderen oben auf dem Vulkan in ihren Anzügen warten, was wohl gar nicht mal so geil war bei 40 Grad – wie mir Tobi später berichtete. 😉 Aber immerhin sah ich Tobi runter düsen & war ganz stolz als er unten ankam und ich ihn wieder in den Arm schließen konnte.

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Nach dem spaßigen Part ging es zurück zur Ranger Station, wo es für Jeden eine (sehr kleine) Banana + drei kleine Kekse gab. Es war mittlerweile 13:00 Uhr & wir hatten außer dem tollen Frühstück nichts gegessen … Freude! 😉 Und so ging es dann los zu der eigentlichen Wanderung.

Die Backpacks wurden aufgeschnallt und die Gruppe bewegte sich vorwärts. Wir hatten vorher schon gelesen, dass das erste Stück (ca. 1 Stunde) das schlimmste an dem Tag wäre. Und das war absolut nicht gelogen! Ich hatte wirklich zu kämpfen den steilen Weg hochzukommen. Auf dem sandigen Boden ging man zwei Schritte vorwärts und einen zurück. Die Hitze (ca. 40 Grad) war natürlich nicht besonders hilfreich & so hielten wir aller paar Meter zum Trinken an. Leider konnte ich das Gewicht von meinem Rucksack absolut nicht tragen, wir hatten zwischen 15 bis 20 Kilo. Eine Wasserflasche hatte ich zum Trinken rausgetan, eine Flasche nahm unser Guide Christian und die anderen beiden nahm Tobi – der dann 5 Flaschen tragen musste. 😦 Erst wollte ich nichts abgeben, aber mit dem Gewicht der Flaschen hätte ich es nicht nach oben geschafft. Tobi allerdings war sehr tapfer!!! ❤

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Als wir das schwierigste Stück hinter uns gebracht hatten gab es „Mittagessen“: ein belegtes Sandwich, vegetarisch & sehr lecker. Das hatten wir uns aber auch verdient! 🙂 Nach der kurzen Pause ging es weiter Richtung El Hoyo, über Stock & Stein, aber ab da ziemlich eben – nur kleine Anstiege. Das letzte Stück vor dem Camp war dann noch mal ein bisschen „spannend“, da es heftig stürmte & es gar nicht so einfach war auf dem schmalen Weg zu gehen. Man war ich froh als wir endlich am Camp angekommen waren!!!  Dieses war quasi ein Plateau unterhalb des Vulkankraters. Hier legten wir endlich unsere Backpacks ab & alle Zelte wurden eingesammelt. Der Plan war folgender: Während Christian mit uns den Gipfel besteigt um den Sonnenuntergang anzusehen, würden Kathi & Micha die Zelte aufbauen und Essen kochen. Achja, ich hab ganz vergessen zu erwähnen, dass wir auf dem Weg zum Camp Feuerholz gesammelt hatten, damit einem warmen Abendessen nichts mehr im Weg stehen konnte – dachten wir alle zumindest …

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Also hieß es warme Klamotten anziehen – bei der Auswahl war das schnell erledigt, Stirnlampen mitnehmen & auf geht`s zum Gipfel. Zuerst gingen wir zu „dem Loch“, einem neueren Krater des El Hoyo & dann immer weiter nach oben. Beschwert wurde das ganze durch den unglaublich starken Wind, der mir teilweise wirklich Angst machte. Andauernd hatte man Sand oder kleinere Steine im Auge und versuchte sich nicht wegwehen zu lassen. Auf Grund des Windes war es leider auch nicht möglich bis ganz oben auf den Gipfel zu gehen, „zu gefährlich“ meinte Christian. Also saßen wir ein bisschen weiter unten auf einer Wiese und versuchten den Sonnenuntergang zu genießen, was leider gar nicht so einfach war wegen des ganzen Staub der aufgewirbelt wurde – Zwei aus unserer Gruppe zogen sich sogar kleine Verletzungen im Auge zu. Naja, trotz all der widrigen Umstände war der Sonnenuntergang wirklich sehr schön. 🙂

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Damit wir nicht in der kompletten Dunkelheit zurück gehen musste ging es auch relativ schnell wieder runter. Eine gute halbe Stunde dauerte der Abstieg & die Stirnlampen mussten wir nur für das letzte steile Stück anmachen. Als wir im Camp ankamen war die Stimmung leider ein bisschen gedrückt & das aus gutem Grund: wir hatten kein Feuer, es mussten noch 3 Zelte aufgebaut werden & die Zelte die „standen“ sahen nicht besonders stabil aus. Die Guides meinten das es wohl noch nie so stürmisch auf dem El Hoyo gewesen sei. Naja, irgendwann ist eben immer das erste Mal & wir waren die Glücklichen die den Wind bezwingen mussten. Also versuchten Tobi & ich mit Hilfe des Neuseeländers unser Zelt für die Nacht aufzubauen. Während wir kläglich scheiterten riss es dann auch noch an einer Stelle ein – warum auch nicht, war ja noch nicht kalt genug. 😉 Christian half uns dann beim Aufbau & dann stand es relativ schnell. Also „stand“ im Sinne von: es war aufgebaut, aber das Gestänge drückte es komplett zu einer Seite. Das sah schon von Außen nach sehr viel Spaß aus & von Innen sollte es dann noch gemütlicher werden … Es ist ja nicht schlimm, wenn der Platz zum schlafen nicht besonders groß ist, aber wenn man noch beide Backpacks unterbringen muss & das Zelt eben wegen des Sturms in eine Richtung gedrückt wird ist es nicht soooo gemütlich. Aber wir versuchten uns damit zu arrangieren.

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Zum Glück gab es dann bald Abendessen, naja, zumindest der Wille war da. Auf dem Speiseplan stand Reis mit Ratatouille. In unserem Fall gab es allerdings eher Sand mit Reis & Ratatouille. Denn dank des Windes war der gekochte Reis in unseren Schalen mit einer netten Schicht Vulkanasche bedeckt, mh, lecker! Nach 2 Löffeln Reis knirschte es nur noch zwischen meinen Zähnen und mir verging die Lust am Essen, wenigstens war das Ratatouille lecker – nur leider viel zu wenig. Aber es gab dann noch ein Highlight, denn als Dessert gab es Marshmallows zum Grillen. Was ein Genuss!!! 🙂

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Nach dem Essen wollten wir nur noch in unser Zelt. Allerdings hielt uns der atemberaubende Anblick des Sternenhimmels ein wenig davon ab. So klar & hell leuchtend hatten wir beide noch nie die Sterne gesehen. Ein absolut einmaliger Anblick! 🙂 Aber dann ging es schnell ins Zelt. So abgeschieden ohne jegliche Unterhaltung schauten wir ein paar Videos von den letzten Wochen auf unserer Canon Legria an, bevor wir versuchten ein wenig Schlaf zu bekommen. Und bei dem Versuch blieb es auch. Obwohl wir mit Ohropax schliefen war es super laut, durch den Riss zog es kalt rein & bequem ist definitiv anders … Naja, wir hatten das Abenteuer gesucht & es eindeutig gefunden.

Der Wecker klingelte um 05:20 Uhr, damit wir den Sonnenaufgang ansehen konnten. Da fällt mir grad auf, ich hab ganz vergessen zu erwähnen das wir von unserem Camp aus einen atemberaubenden Ausblick auf den Momotombo (sehr aktiver Vulkan) und den Managua See hatten. Und genau hinter dieser tollen Kulisse ging die Sonne auf. Wow! Trotz der Kälte & des anhaltenden Windes war dieses Spektakel einfach unvergesslich und wunderschön. 🙂

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Zum Frühstück gab es Haferbrei mit Bananen (aus meinem Backpack) und Tee. Leider eher kalt als warm, aber es sättigte. Danach wurden dann schnell die Zelte zusammengepackt & um 07:00 Uhr brachen wir dann auch schon auf zum zweiten Teil der Wanderung. Wir dachten ja beide das der zweite Tag eher entspannt wird, man nur noch so ein bisschen geht und dann „entspannt“ Zuhause ankommt. Haha, guter Witz … Natürlich nicht! 😉

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Schon das erste Stück war ziemlich anspruchsvoll, weil man auf losem Geröll einen steilen Abhang hinunter gehen musste. Aber das bewältigten wir sehr gut. Es war Wahnsinn wie schnell es super heiß wurde & so zogen wir ziemlich schnell unsere Fleecepullover aus & ich ärgerte mich ein bisschen das ich nicht die kurze Hose angezogen hatte. Und dann ging es weiter, immer schön bergab & ich hatte wirklich zu kämpfen, da meine Beine von dem ersten Tag ziemlich weh taten – Stichwort Muskelkater. Aber da musste ich durch & Tobi motivierte mich immer wieder, zum Glück. 🙂 Wir gingen gute 4 Stunden bis wir an dem Kratersee angekommen waren. Und das fieseste: als wir am See angekommen waren mussten wir noch einmal den halben See umrunden (natürlich nicht eben). Ich meine: Warum? Da denkst du das du am Ziel bist, endlich Wasser, du willst nur noch in den See springen, dich waschen … und dann musst du weitergehen. Mist!

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Das beste Gefühl war wirklich die Schuhe ausziehen zu können, die Badesachen anzuziehen & in den See zu gehen. Endlich konnten wir uns ein bisschen waschen. Wir waren so dreckig von dem ganzen Vulkanstaub. Man man man! Im Camp hatten wir versucht uns mit den Kosmetiktüchern den Dreck wenigstens aus dem Gesicht und von den Händen zu waschen. Aber nach ein paar Minuten war man eh wieder komplett dreckig. Umso schöner war das Gefühl sich endlich ein bisschen sauber machen zu können. 🙂 Nach dem Baden gab es dann ein leckeres Mittagessen: Burritos. Und die waren wirklich gut & endlich kamen auch meine Tortilla-Chips zum Einsatz, die waren nämlich der Clou in den Burritos. 😉

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Und wie sollte es anders sein … Nach dem Essen kam noch einmal eine heftige Passage, denn wir mussten den Krater natürlich auch wieder hochgehen – 15 Minuten steil(!!!) bergauf bei 40 Grad. Am liebsten hätte ich das Handtuch geworfen, aber Tobi motivierte mich wieder und ich biss die Zähne zusammen. Ohne ihn hätte ich diese ganze Tour niemals geschafft, wirklich nicht! Das letzte Stück bis zur Bushaltestelle war eine staubige Straße ohne Schatten & gegen 14:00 Uhr hatten wir diese dann erreicht. Endlich!!! Wow, wir hatten es wirklich geschafft. Und als wir zurück blickten sah es einfach nur unwirklich aus was wir an dem Tag für eine Strecke hinter uns gelegt hatten. Leider bringen Fotos ja immer nicht wirklich das Verhältnis rüber, aber wenn ich mir jetzt die Fotos betrachte bin ich immer noch sehr beeindruckt von dem was wir geschafft haben & sehr stolz auf uns.

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Auch wenn einiges nicht so optimal gelaufen ist, sei es das Essen oder das Wetter, so bin ich doch sehr froh das wir diese 2-Tages-Wanderung gemacht haben. 🙂

Allerdings war die Aussage „für die Tour muss man fit sein, weil sie mittel bis anstrengend ist“ vollkommen untertrieben. Weil jemand der fit ist, aber z.B. noch nie Wandern war, für den wäre diese Tour überhaupt nicht geeignet. Und siehe da, Quetzaltrekkers hat nach unserer Wanderung einen kleinen roten Zusatz zu der Touren-Beschreibung hinzugefügt: „Please note that this is a very challenging hike demanding a good degree of fitness and some hiking experience! Consider this before signing up to ensure that we can all enjoy a great and pleasant hike!“

Na dann hoffen wir mal das zukünftige Gruppen bessere Wetterbedingungen haben als wir. 😉


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